PR Couch Teil 41
Think Tank
Eine Think Tank (engl. Denkfabrik) bzw. Ideenagentur ist meistens eine Gruppe von Politikern, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, die gemeinsam soziale, politische und wirtschaftliche Konzepte oder Strategien entwickeln. In Folge fördern sie damit den entsprechenden öffentlichen Diskurs. Bereits seit Jahren sind Denkfabriken ein Teil des politischen Prozesses geworden.
Die ersten Firmen, die im Aufgabenbereich eines Think Tanks agierten, wurden Anfang des letzten Jahrhunderts in den USA gegründet. Die eigentliche Bezeichnung Think Tank stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Man bezeichnete damit einen abhörsicheren Raum, in dem sich Militärstrategen zur Diskussion neuer Strategien trafen. Erst in den 60er-Jahren übernahm man diesen Begriff dann auch für andere, außermilitärische Institutionen, in denen sich verschiedene Experten zum Wissensaustausch und zur Schaffung gemeinsamer Lösungsstrategien trafen.
Heutzutage kontaktieren meist Unternehmen, Institutionen, Verbände, Parteien/Politiker oder auch Einzelpersonen solche Denkfabriken, um neue Ideen in den jeweiligen Tätigkeitsbereichen zu konzipieren. Andererseits gibt es noch immer zahlreiche Think Tanks, die sich als Orte definieren, an denen konzentriert und in Ruhe interdisziplinär geforscht und nicht Gewinn orientiert gearbeitet wird. Diese befassen sich meist mit sozial- bzw. politikwissenschaftlichen Themen. Jedoch ist die Idee eines gänzlich unabhängig forschenden Wissenschafter mehr Legende denn Realität.
Gegenwärtig wird geschätzt, dass es allein in Deutschland zwischen 80 und 130 Think Tanks gibt (für Österreich sind keine Zahlen bekannt). Im Gegensatz zu den USA sind Denkfabriken im deutschsprachigen Raum noch keine angesehenen Institutionen, die bedeutende Beiträge zum politischen Geschehen leisten.
Spin Doctor
Spin Doctor (engl. Drall) ist eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung für einen Public Relations Verantwortlichen. Besonders häufig arbeitet solch ein Spezialist im politischen Metier in der Meinungsforschungs-, Werbe- oder Medienbranche. Für so manchen hat der Begriff einen negativen Unterton, da man Spin Doctors oft mit Manipulation in Verbindung bringt. Deshalb wird dieser Ausdruck von einigen PR-Experten abgelehnt.
Im Gegensatz zu politischen Propagandisten geht es einem Spin Doctor nicht um die Vermittlung einer bestimmten Ideologie, sondern lediglich darum, entweder seinen Auftraggeber, dessen Politik oder andere Personen bzw. Ereignisse positiv (manchmal aber auch negativ) darzustellen. Viele werden sich jetzt an den Begriff Lobbyismus erinnert fühlen (siehe PR-Couch Teil 28). Besonders bei Wahlkämpfen entscheidet der Spin Doctor über Zeitpunkt und manchmal auch Inhalt von Wahlkampfaussagen, über Auftritte und Imagebemühungen. Er versucht die Medien für seine Ziele zu nutzen und setzt auch das Agenda Setting dabei ein (siehe PR-Couch Teil 40). Dabei zieht er als eine Art graue Eminenz im Hintergrund die Fäden.
Vertiefende Literatur:
Tenschler, Jens: Professionalisierung der Politikvermittlung? VS Verlag für Sozialwissenschaften, August 2003