PR Couch Teil 21

Aktionismus

Aktionismus bezeichnet ein Spezialgebiet der Öffentlichkeitsarbeit, in der die zu vermittelnde Botschaft auf das Wesentliche reduziert und durch eine dramatische bzw. anschauliche Form mediengerechter (besonders im visuellen Bereich) dargestellt wird (Quelle: PRVA/Glossar). Aktionismus ist ein wichtiges Instrument der Kommunikationsarbeit, um in der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen zu werden. Deshalb nützten und nützen vor allem Politiker, Menschenrechtsorganisationen und Umweltschutzorganisationen gerne diese Form der öffentlich-medialen Inszenierung.

Der Grund für solche Aktionen ist einleuchtend: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. In unserer medial geprägten, schnelllebigen Welt hat ein Bild meist eine stärkere Aussagekraft als lange Erklärungen. Und genau diese Schiene wird beim Aktionismus genutzt: Uns allen sind spektakuläre Aktionen bekannt, die am Bildschirm zu sehen waren oder in Zeitungen abgedruckt worden sind: Umweltschützer, die mit ihren Schlauchboten riesige Schiffe (meist Walfangflotten) aufhalten wollten; ein Fackelzug tausender Österreicher am Heldenplatz, die gegen die politische Situation im Lande protestierten (ins Leben gerufen durch Bürgerinitiativen und politische Gruppierungen) oder die Besetzung von Firmensitzen – wieder einmal waren es Umweltschützer – die die Fassaden der Firmen mit Plakaten verdeckt haben und auf diesen Plakaten ihre Botschaften und ihren Protest  mediengerecht präsentiert haben. Meist arbeiten Organisationen und Politiker bei ihren Aktionen eng mit Journalisten zusammen, um eine öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen. Oft erzielen jedoch solch inszenierte Darstellungen kurzfristig keine Erfolge, können aber langfristig zu Veränderungen führen.

Kritiker werfen dem Aktionismus ein meist unreflektiertes, zielloses Handeln vor. Für manche steht dieser Begriff für eher unorganisierte, politische oder soziale Aktionen. Diese Aktivitäten bewirken z.B. eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse. Kritiker gehen jedoch  davon aus, dass die Ziele solcher Aktionen weder genau definiert worden sind, noch zu Ende gedacht und somit deren Konsequenzen meist nicht berücksichtigt wurden. Auch muss sich jeder Aktionismus die Kritik gefallen lassen, dass eher komplexere Themen oft sehr vereinfacht – meist auf Symbole reduziert - für die Medien inszeniert werden. Anderseits hat dies auch den Vorteil, dass eine komplexe Thematik leichter verständlich gemacht und in ein emotionaleres Umfeld eingebettet wurde – damit erhöhen sich sowohl der Aufmerksamkeits- als auch der Unterhaltungswert.

Digitaler Aktionismus

Mittlerweile wird auch das Internet für den Aktionismus genützt. So wird z.B. via E-Mails eine enorme globale Reichweite erzielt, um Botschaften zu vermitteln. Ein weiteres Teilgebiet ist das Media Hacking. Darunter versteht man verschiedene Formen der Manipulation von Medien (meist durch Amateure), die dabei bestehende Technologien ausnutzen – ähnlich dem Computer-Hacking. Speziell handelt es sich dabei um Eingriffe in bestehende Medienauftritte, wie z.B. die Veränderung von oder Parodie auf Websites. Allerdings handelt es sich hierbei um eine rechtliche Grauzone, die sicherlich nicht von professionellen PR-Agenturen benutzt werden.

Wer sich mit dieser Thematik intensiver auseinander setzen will, dem empfehlen wir einen Artikel von Hans Bernhard: Media Hacking - Digitaler Aktionismus

http://kommunikationsguerilla.twoday.net/stories/942231/

Vertiefende Literatur:
Schulz-Bruhdoel, Norbert: Die PR- und Pressefibel. Zielgerichtete Medienarbeit. Ein Praxislehrbuch für Ein- und Aufsteiger. Frankfurter Allgemeine Buch, 2001

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