PR Couch Teil 18
WEBLOGS als neues PR-Instrument
Neues MEDIENGESETZ per 1.7.2005 betrifft Websitengestaltung
Weltweit erleben wir derzeit einen Siegeszug von Weblogs. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und welche Bedeutung hat es für die PR?
Die spezielle Webseiten-Form des Weblogs reicht bereits in die Anfänge der 90er Jahre zurück. Aus den USA kommend hat sich mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum eine aktive Szene entwickelt. Schätzungsweise gib es z.B. in Deutschland zwischen 60.000 und 70.000 Weblogs mit einer monatlichen Steigerung von ca. 15 Prozent.
Der Begriff Weblog (kurz Blog; Artikel: das) entwickelte sich aus den Worten „Web“ (wie Internet) und „Log“ (entlehnt dem Begriff Logbuch). Ein Weblog besteht aus in umgedrehter chronologischer Reihenfolge gelisteten Beiträgen, die mit Hilfe eines speziellen Publishing-Systems sowie mittels eines einheitlichen Layouts veröffentlicht und aktualisiert werden.
Die Autoren solcher Seiten nennen sich (We)blogger und bauen untereinander Netzwerke auf, schreiben gegenseitige Kommentare zu ihren Beiträgen und verlinken diese. Solch eine Gemeinschaft an Bloggern wird als Blogosphäre bezeichnet.
Das Spektrum von Weblog-Formen ist vielseitig und reicht von privaten Online-Tagebüchern, Reise-, Foto, Gruppen-, Koch-, Geschäfts-Weblogs (Cooperate-Weblogs) bis hin zu Mitarbeiter-Weblogs. Solche Seiten können oft News und Klatsch enthalten. Andere kommentieren das politische Tagesgeschehen oder erzählen kurze Geschichten aus dem Alltag des Autors. Weblogs können also verglichen werden mit Newslettern oder Kolumnen, jedoch sind sie persönlicher, da sie stark selektiert und oft einseitig kommentiert werden.
Corporate-Weblogs
Der beträchtliche Vernetzungsgrad unter den Bloggern macht Weblogs verstärkt für PR interessant. Wer es nämlich schafft, die Weblog-Community von seinem Produkt oder seiner Webseite zu überzeugen, kann sich über eine bessere Positionierung bei Suchmaschinen freuen. Viele Suchmaschinen (wie z.B. Google) bewerten Webseiten aufgrund der Anzahl der Links, die auf eine Webseite verweisen. Dadurch erhalten Weblogs für Unternehmen oder auch Medien zusätzliche Bedeutung, da aufgrund ihrer Positionierung bei den Suchmaschinen öfters auf sie zugegriffen wird.
Während manche durch das Bloggen das Ende der PR vermuten, sehen andere im Blogging die neue Chance für Öffentlichkeitsarbeit. Corporate-Weblogs heißt das neue Schlagwort in der PR. Diese Blog-Form dient als Kommunikationsplattform zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit. Dabei wird der Kontakt über täglich aktualisierte Beiträge geschaffen, die z.B. Informationen über Events oder Innovationen bzw. Weiterentwicklungen beinhalten. Im Gegensatz zu einem Forum liegt jedoch beim Weblog die Kontrolle vollständig beim Unternehmen, da die Themen durch sie vorgegeben werden.
Die Unternehmen versprechen sich dadurch einen direkteren Zugang zum Kunden und einen Sympathie- und Vertrauensgewinn für ihre Produkte. Viele internationale Unternehmen (z.B. Sony, Nokia, VW, Martell, Microsoft, u.a.) greifen bereits auf die Weblogs zurück, um Marktforschung zu betreiben oder lediglich zur Kontaktpflege mit Konsumenten.
Jedoch ist auch Vorsicht geboten: Die Blogger-Gemeinschaft lässt sich ungern manipulieren. Diese Erfahrung musste auch ein bekannter Handyhersteller machen, der renommierten Bloggern sein neuestes Modell zukommen ließ. Die Blogger fühlten sich vom Unternehmen benützt und dementsprechend fielen die Kommentare aus. Blogs stellen also eine Plattform für die schnelle Verbreitung von ungefilterten Informationen dar. Wie das obige Beispiel zeigt, können Blogger ihre Plattform jedoch gezielt für Negativ- oder Positiv-Kampagnen nutzen.
PR-Abteilungen müssen also kontinuierlich die Blogosphäre mit für ihre Branche relevanten Themen durchforsten und möglichst schnell auf Kritik reagieren. Mitarbeiter/Innen der Unternehmenskommunikation sollten sich darum rechtzeitig mit dem Phänomen Blogging beschäftigen.
Vertiefende Literatur:
http://blogshop.de/ bietet Informationen, Neuigkeiten und Tipps zu Weblog-Software, Diensten und Anbietern.
http://www.blogworld.de/ Eine deutsche Weblog-Community als Anlaufstelle für Neu- und Altblogger. Alle registrierten User können dort Weblog-Einträge verfassen.
http://www.onlinejournalismus.de/forschung/glossar.php eine Art Blog-Wörterbuch.
http://klauseck.typepad.com/prblogger/ PR-Blogger
Neues Mediengesetz ab 1. Juli 2005 in Österreich
Mit der Novelle des Mediengesetzes muss ausnahmslos jede Website – egal ob privat oder kommerziell, umfangreich oder klein – ein Impressum samt Namen, Wohnort und in manchen Fällen auch Unternehmensgegenstand aufweisen. Die Domain spielt keine Rolle, entscheidend ist der österreichische Wohnsitz des Betreibers. Bei Privatpersonen reicht Name und Wohnort - z.B. Max Mustermann, Wien. Beim Newsletter-Versand (ab vier Erscheinungen jährlich) muss auch ein komplettes Impressum integriert sein.
Für Webseiten, die "die öffentliche Meinung beeinflussen können" (u.a. Weblogs) gelten noch strengere Bestimmungen. So müssen Name, Wohnort, Firma, Unternehmensgegenstand und Beteiligungsverhältnissen in Gesellschaften, die Offenlegung von Beteiligungen an anderen unternehmerischen Webseiten und die Bekanntgabe der grundlegenden Richtung des Unternehmens (Blattlinie) angeführt werden. Bei Nichteinhaltung sind Strafzahlungen bis € 100.000, sowie die Veröffentlichung einer Gegendarstellung, Offenlegungspflicht, Urteilsveröffentlichung, Beschlagnahme (Löschung der Webseite) usw. im Bereich des Möglichen.
Details zum neuen Mediengesetz sind auf der Homepage zu finden:
http://www.i4j.at/gesetze/bg_medien1.htm